Sorge um Nachfolge? – Nein, bewusst angehen macht Freude

01. Juli 2026

Die Pension ist in Sicht. Die Babyboomer gehen immer mehr auf Reisen und lehnen sich zurück. Die nächste Generation (NextGen) sollte übernehmen.

Und jetzt?

«Alles, was ich jemals getan habe, habe ich nur für meine Kinder getan», diesen Satz hört man immer wieder. Doch was passiert tatsächlich? Erfolgt tatsächlich eine Übergabe des Familienunternehmens an die nächste Generation?

Die bevorstehende Sommerpause eignet sich für weiterführende Gedanken zum eigenen Lebenswerk.

Die Babyboomer, alle Personen, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden, gehen demnächst in Pension. In dieser Generation kamen wesentlich mehr Babys zur Welt als in den darauffolgenden Phasen. Ihr Berufsleben fiel in die Zeit des grossen Wirtschaftswachstums. Vermögen und Unternehmen konnten aufgebaut werden.

Den Vertretern dieser Generation sagt man nach, sie seien Arbeitstiere, die sich gerne für den Job aufopfern. Wird es dieser Generation leichtfallen, an die nächste Generation zu übergeben?

Wenn das Loslassen schwerfällt, ist es halt immer noch so: Entweder der Familienpatriarch kann alles besser oder er muss wieder eingreifen, weil die nächste Generation keine Lust mehr hat oder «die PS nicht auf den Boden bringt». Plötzlich hat man nicht nur ein Generationenthema, sondern auch ein Restrukturierungsthema. Obacht!

Tatsächlich ist es so, dass das Loslassen vielen sehr schwerfällt. Aber gerade das ist entscheidend, damit die Übergabe gut verläuft. Tritt dann noch ein Finanzproblem auf, sei es wegen weltweiter Krisen oder aus anderen Gründen, wird es schwierig. Deshalb beobachten wir, dass immer weniger Kinder es als selbstverständlich ansehen, in die Fussstapfen der Eltern zu treten.

Wer soll übernehmen?

«Der oder die Erstgeborene übernimmt» – dieses Credo gehört unserer Erfahrung nach der Vergangenheit an. Oft sind es die jüngeren Kinder, die den Betrieb übernehmen.

Aber: Die Eltern übergeben die Betriebe immer später, und bis es zur Übernahme kommt, sind die Älteren schon fest in ihrem eigenen Berufsleben verankert.

Schwarze Schafe und viele Dramen

Es gibt auch Situationen, in denen alles ins Chaos stürzt, der Nachfolgeprozess gefährdet wird und die Weiterentwicklung des Unternehmens stark beeinträchtigt wird. In solchen Fällen ist mitunter nicht einmal mehr Geld vorhanden und alle sind im Nachteil. Hat man solche Personen im Unternehmen etabliert, wird die Entwicklung sehr schwer und ein Verkauf erscheint plötzlich als sinnvoll.

Ist das Unternehmen und das Umfeld bereit für die Zukunft?

Die ökonomischen Faktoren dürfen nicht vergessen werden. Wird eine Firma von einem Kind übernommen, müssen die anderen Geschwister nolens volens ausbezahlt werden, ausser natürlich, sie verzichten darauf. Es gibt unzählige Möglichkeiten, dies zu managen.

Auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens muss vor der Übernahme analysiert werden. Ist die Firma verschuldet? Hat die Person, die den Betrieb übernimmt, genug Erfahrung und Wissen für die Position und das Geschäftsfeld?

Sommerruhe

Nutzen Sie die anstehende Sommerruhe, um sich solcherlei Gedanken zu machen, zusammen mit Ihren Nächsten und bei einem guten Glas Sommerwein. Lehnen Sie sich bewusst zurück und üben Sie sich in Ihrer eigenen Kontemplation.

 

Beitrag von Rolf Brunner, Senior Partner bei der Continuum AG