Klarheit entscheidet

01. Februar 2026

Was früher «am Küchentisch» entschieden wurde, funktioniert ab der zweiten oder dritten Generation nur noch bedingt: Die Ansprüche steigen, Meinungen werden vielfältiger, Rollen diffuser. Unternehmerische Klarheit lässt sich dann nicht mehr allein durch Tatkraft herstellen, sie braucht Struktur. Besonders heikel wird es dort, wo Familie, Eigentum und operative Führung ineinander fallen. Wer ist Unternehmer, wer Eigentümer, wer Familienmitglied und in welcher Situation? Ohne eine Trennung dieser Rollen entstehen Missverständnisse, Erwartungen prallen aufeinander und Konflikte werden vertagt statt gelöst. Das ist menschlich, aber gefährlich.

Nachfolge ist deshalb vor allem ein Führungs- und Kommunikationsprozess. Erfolgreiche Familienunternehmen nehmen sich Zeit für Grundsatzfragen: Welche Bedeutung hat das Unternehmen? Welche Rolle soll es im Vermögen spielen? Wer will und wer soll Verantwortung übernehmen? Und wie gehen wir mit unterschiedlichen Lebensentwürfen um?

Eine Universallösung gibt es nicht, wohl aber eine sinnvolle Reihenfolge: zuerst die persönliche Perspektive, dann die familiäre Verständigung, darauf aufbauend die Unternehmens- und schliesslich die Vermögensstrategie. Wer diese Ebenen vermischt oder überspringt, erzeugt operative Hektik und Konflikte. Gerade der Generationenwechsel bietet die Chance, Routinen zu hinterfragen und Führung neu zu denken, weg von einzelnen Personen, hin zu klaren Prinzipien, Regeln und Gremien. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung gegenüber Familie, Mitarbeitern und dem Lebenswerk.

Am Ende geht es um eine anspruchsvolle Aufgabe: Familie und Unternehmen so aufzustellen, dass beide langfristig gedeihen, ohne dass die eine an der anderen zerreibt.

Artikel von Heini O. Seger, Associate Partner, Leader Magazin Ausg. Jan/Feb