Zwischen Babyboomern, Millennials und Gen Z
Reichtum, Beziehungen und die entscheidende Fähigkeit, ob Ihr Vermögen die nächste Generation überlebt.
Was bedeutet Vermögen? Ist Vermögen lediglich rein pekuniär zu betrachten? Nein, denn Vermögen beinhaltet auch und insbesondere sogenannte ideelle Werte. Die Frage ist: Was vermag ich? Kann ich etwas erdulden? Kann ich etwas ertragen?
In Unternehmerfamilien ist eine Vermögensübertragung – finanziell und ideell – unvermeidlich. Statistiken zeigen, dass etwa 30 % aller Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation wechseln. Das bedeutet, dass 70 % dies nicht oder nur ungenügend tun. Das Generationenmanagement, mithin der Übergang von der älteren zur jüngeren Generation, beinhaltet Potenzial für Konflikte und Friktionen. Warum das?
Zunächst einmal bedeutet ein Scheitern nicht, dass das Geld verschwindet. Es bedeutet, dass Beziehungen zerbrechen, Absichten verwässern und Vermächtnisse zerfallen. Die nachfolgende Generation hat einen anderen «Game-Plan» und dieser wird entweder nicht «abgeholt», nicht verstanden, aber vor allem zu wenig offensiv kommuniziert und hinterfragt – von beiden Seiten.
Stellen Sie sich eine Familie vor, die glaubte, dass Familien, die zusammenspielen, auch zusammenbleiben. Über Jahre investierte sie in aussergewöhnliche Urlaube, um drei Generationen näher zusammenzubringen. Bei einer dieser Reisen hatten zwei Geschwister einen Streit über die Erziehung. Es wurde nie offen angesprochen.
Mit der Zeit sprachen sie weniger miteinander. Ihre Positionen verhärteten sich. Einer hörte ganz auf, an Familienausflügen teilzunehmen. Was als Moment begann, wurde zu einer Bruchlinie – eine, die sich leise zu einer dauerhaften Trennung verbreiterte. Die Familie und damit ihre Generationen wurden sukzessive gespalten und Zufriedenheit gab es keine mehr.
Erkenntnis 1: Zufriedenheit im Leben ist ein Mass dafür, wie viele schwierige Gespräche Sie bereit sind zu führen.
In wohlhabenden Familien sind die am häufigsten vermiedenen Gespräche jene, die am wichtigsten sind. Dazu gehören Gespräche über Werte, Erwartungen, Rollen und Verantwortung. Die Vermeidung solcher Gespräche fühlt sich im Moment leichter an, erhöht aber mit der Zeit das Risiko.
Erfolgreiche Familien und ihre Generationen verfahren anders. Sie vermeiden diese Gespräche nicht, sondern entwickeln die Fähigkeit, sie gut zu navigieren und zu moderieren. Sie entscheiden sich für Handeln statt für höfliche Heuchelei.
Erkenntnis 2: Die wichtigste Fähigkeit ist nicht das Sprechen. Es geht vielmehr darum, das Gefühl zu schaffen, wirklich gehört zu werden.
Diese Erkenntnis wird durch drei Praktiken aufgebaut:
1. Hören Sie den Generationen zu, ohne nachzuladen.
Die meisten Menschen hören zu, während sie ihre Antwort vorbereiten. Effektive Kommunikatoren hingegen hören zu, um zu verstehen. Sie stellen Fragen, um eine Perspektive zu entdecken, nicht, um einen Punkt zu beweisen. Neugier ersetzt Verteidigung.
Zum Beispiel: «Was ist Ihnen an diesem Thema wichtig?»
Oder statt zu sagen: «So funktioniert das nicht», versuchen Sie: «Hilf mir zu verstehen, wie du das siehst.»
2. Machen Sie es sicher.
Der Ton ist genauso wichtig wie der Inhalt. Wenn die Gespräche eskalieren, stoppt der Fortschritt. Sicherheit zu schaffen, kann bedeuten, das Tempo zu verlangsamen, die Stimmen zu senken oder Emotionen anzuerkennen. Wenn sich Menschen sicher fühlen, bleiben sie engagiert.
Zum Beispiel: «Würdest du bitte langsamer sprechen und etwas leiser sprechen? Ich habe Schwierigkeiten, zu folgen.»
3. Achten Sie auf das Timing.
Das richtige Gespräch zur falschen Zeit ist das falsche Gespräch. Müdigkeit, Stress oder hochriskante Momente können selbst die besten Absichten zunichte machen. Ein bedachtes Timing erhöht die Wahrscheinlichkeit für Klarheit und Verbindung.
Zum Beispiel: «Können wir später heute Abend darüber reden? Vielleicht können wir einen Spaziergang machen und darüber reden.»
Fazit: Am Ende wird Zufriedenheit im Leben und im Generationenmanagement durch die schwierigen Gespräche geprägt, zu denen man bereit ist. Der Umgang mit Vermögen – finanziell oder ideell – ist essenziell und prägt das Zusammenspiel der Generationen.
Der eigentliche Unterschied ist nicht der Game-Plan. Es ist die Bereitschaft, das Gespräch zu initiieren, das man bisher verschoben hat, bevor der Zeitpunkt der Entscheidung für einen entscheidet.
Ernten Sie, was Sie aufgebaut haben – aber bitte miteinander.
Beitrag von Rolf Brunner, Senior Partner bei der CONTINUUM AG